Jänner 2011 - Ayurveda Fachartikel von Dr. Hans H. Rhyner

Behandlung von Prostata Hyperplasie und Tumor mit Semecarpus anarcadium

Hans H. Rhyner, Ayurveda Arzt und Philosoph MD & PhD (alternative medicine)

 

Dr. Ajay, der Chefarzt meiner damaligen Ayurveda-Klinik in Bangalore wollte unbedingt seine weissen Pigmentflecken am rechten Schienbein loswerden. Die ayurvedischen Klassiker – und so wird es auch an den Ayurveda Hochschulen gelehrt – empfehlen eine äusserliche Behandlung von Vitiligo mit der Frucht der Anarkadienherznuss (Bhallataka – Semecarpus anarcadium). Dieser Baum ist in den Western Ghats, dem Küstengebirge, das sich südlich von Bombay bis nach Kanykumari hinzieht, recht weit verbreitet. Dr. Ajay schnitt die Nuss in zwei Teile und begann die weissen Hautstellen damit kräftig einzureiben. Dabei spürte er weder ein Brennen noch ein Kribbeln. Zwei Wochen später entstanden grössere Blasen an den behandelten Stellen. Seine Beine schwollen immer mehr an, die Wunde wurde septisch und erst eine kräftige Gabe Antibiotika und 2 Wochen Krankenstand schufen Abhilfe. Schliesslich entstand neue Haut an den behandelten Stellen. Aber die weissen Flecken waren immer noch da und gleich gross wie zuvor. So viel zum tapferen Selbstversuch von Dr. Ajay. Bhallataka ist bekannt für seine mächtige Heilwirkung aber auch für seine ebenso starken unerwünschten Nebenwirkungen. Darum lassen viele Hersteller von ayurvedischen Medikamenten und Ärzte die Finger von Bhallataka.

            Zu dieser Zeit war ich schon ein grosser Bewunderer von Bhallataka. Ich hatte nach umfangreichen Abklärungen einen Hersteller gefunden, der getreu der ursprünglichen Rezeptur ein fettiges Präparat namens Gulgulutikktakaghritam herstellte. Einer meiner Lehrmeister hatte mir nämlich den Tipp gegeben, dass ich Autoimmunerkrankungen damit behandeln könne – vorausgesetzt eben: Bhallatka ist im besagten Präparat auch drin. Der Erfolg liess nicht auf sich warten: Seit bald 20 Jahren setze ich Gulgulutikktakaghrita oder ähnlich Präparate bei Autoimmungeschehen wie Morbus Hashimoto, Morbus Crohn oder rheumatischen Erkrankungen ein.

            Seit rund 5 Jahren setze ich Semecarpus bei verschiedenen bösartigen Tumoren, insbesondere bei Prostata Tumoren ein. Die Resultate haben mich einmal mehr von dieser wunderbaren Pflanze überzeugt. Dabei erhebe ich keinen Anspruch darauf, ob meine Erfahrungen wissenschaftlichen Kriterien entsprechen. Es gibt bereits verschiedene Wissenschaftler, die Studien über den Einsatz von Semecarpus anarcadium bei malignen Tumoren veröffentlicht haben. Einige Experten sind sogar der Meinung, dass Semecarpus Chemotherapie und Bestrahlung in gewissen Fällen ersetzen können.[1] Zudem setzt sich eine Internistin im rahmen ihrer Diplomarbeit für Studium der Ayurveda Medizin in einer wissenschaftlichen Arbeit mit meinen Krebsfällen auseinander.

            Nun aber zur Geschichte meines Klienten Robert (Name frei erfunden). Er ist 50 Jahre alt, 185 cm gross, 82 kg schwer, arbeitet als technischer Angestellter bei einem grossen Industriebetrieb. Seit 8 Jahren ist er geschieden und lebt mit seinen beiden Söhnen und neunen Lebensgefährtin in einer Grossstadt in Mitteleuropa. Roberts eigentliche Leidenschaft sind Philosophie und Motocross! Die Doppelbelastung aus dem Job, der nicht zu ihm passt, um den er trotzdem ständig Angst habe muss, da eine Entlassungswelle nach der anderen die Firma im Weltmarkt konkurrenzfähig halten soll sowie die alleinige Verantwortung für seine beiden Söhne nagen seit Jahren an seiner Immunität.

Bei einem Gesundheitscheck im Juni 2003 war der Tumormarker der Prostata (PSA) deutlich erhöht. Als dieser weiter anstieg, wurde eine Biopsie durchgeführt. Sie ergab, dass 1 von 10 Proben Krebszellen enthielt. Daraufhin empfahlen ihm die Ärzte, die Prostata spätestens im Oktober 2009 entfernen zu lassen.

Robert besuchte meine Praxis erstmals im August 2009. Er hatte über meine Bücher zu mir gefunden und seine Ernährung so gut er konnte bereits auf ayurvedische Küche umgestellt. Ich konnte bei ihm eine Pitta körperliche Konstitution (Dehaprakriti) sowie eine psychische Konstitution (Manasaprakriti) von Sattvika vermischt mit Rajas und Tamas feststellen. Vata und Kapha waren beide deutlich erhöht. Die Psychopathologie zeigte, Rajas und Tamas waren aus der Balance geraten, d.h. er machte einen ruhelosen, deprimierten Eindruck. Als geschwächte Systeme (Shrota) konnte ich primär das Urogenitalsystem (Mutravaha Shrota und Shukravaha Shrota = Prostata Hyperplasie und Karzinom) sowie Nervensystem (Pranavaha Shrota = essentieller Tremor, auch Udanavata) feststellen.

Die Klassiker nennen eine Vergrösserung der Prostata im Anfangsstadium Ashtila und Pratyashtila (Sushruta Nidana 1, 90), einen Prostatakarzinom als Tumor des Unterbauchs – Gulma. Die Ursache liegt in jedem Fall bei Vata und den Faktoren, die zu einer Ansammlung von Vata führen. Das war auch bei Robert offensichtlich: Die andauernde berufliche wie private Belastung, der Motorradsport, der bei jeder Runde über raues Terrain den Körper durchschüttelt und zu Verletzungen führt, besonders auch im Bereich des Damms (Perineum). Weiter zeigt auch der essentielle Tremor von Robert auf einen starken Vata Überschuss hin. Die empfohlene Therapie ist wie bei Gulma (Sushruta Cikitsa 5, 27) und Vata Erkrankungen: Öl- und Wärmebehandlungen (Sneha und Sweda), Abführkur (Virecana), Öleinläufe (Anuvasana Vasti) sowie verschiedene Medikamente, unter ihnen auch Semecarpus anarcadium und Commiphora mukul. Erschwerend für meinen therapeutischen Spielraum war der Fakt, dass sich Robert eine stationäre Ayurveda Kur nicht leisten konnte. Ich musste ein Konzept erstellen, dass seinen finanziellen wie persönlichen Möglichkeiten entsprach:

Ich besprach mit Robert, wie wichtig es sei, dass er meine Anweisungen strikte befolgt und diese einen beträchtlichen Aufwand und Disziplin erfordern. Seine Ernährung stellte ich auf eine Pitta regulierende Ernährungsweise um, mit der Auflage sehr regelmässig und nur warme Speisen und Getränke zu sich zu nehmen. Damit konnte ich eine zu seiner Pitta Konstitution passende Ernährung sowie mit der Wärme und Regelmässigkeit auch den Vata-Überschuss angehen.

Ein Selbstmassage von Kopf bis Fuss mit warmem AYURVEDA RHYNER Bio Vata Öl, 1 x in der Woche gehörte zu seinem Pflichtprogramm.

Das gleiche Öl sollte er sich mit Hilfe einer 60 ml Spritze und einem Frauenkatheter 7 Tage nacheinander 1 Std. nach dem Abendessen als Einlauf verabreichen. Danach sollten 7 Tage Pause folgen und danach wieder 7 Tage je einen Einlauf. Zudem sollte er sich auch jeden Abend Damm, Leisten, Hoden und Analgegend mit dem gleichen Öl einreiben.

Dazu verordnete ich ihm Semecarpus anarcadium Kapseln als 5:1 Konzentrat sowie Commiphora mukul 5:1 Konzentrat je 2 x 1 Kapseln vor den Mahlzeiten mit warmem Ingwerwasser. Beide Präparate sind Tikshna Guna, das heisst, sie wirken „spitz“ – intensiv und erhitzend. Deshalb können sie Allergien oder andere Unverträglichkeiten wie Hautreaktionen bewirken. Robert hat sie gut vertragen und so erhöhte ich die Dosis nach 2 Wochen auf je 3 x 1 Kapsel pro Tag.

Beim Kontrolluntersuch im Oktober waren die PSA Werte deutlich gefallen. In Folge wurde der Operationstermin verschoben. Anfang 2010 wurde nochmals eine Biopsie angeordnet. Sämtliche Proben waren ohne Befund. Der PSA Wert hat sich in der Norm stabilisiert.

Robert ist noch nicht über dem Berg, denn seine Stressfaktoren bleiben weiterhin ungelöst. Zum Glück unterstützt ihn seine Partnerin voll und ganz bei der konstitutionellen Ernährungsweise. Robert ist nicht der einzige Patient mit diesem Befund. Weitere Männer stehen bei mir unter Behandlung. Bei jedem von Ihnen konnte eine Besserung erzielt werden. In 2 Fällen war eine operative Entfernung der Prostata unumgänglich. Auch in der Ayurveda muss ein Tumor - wo notwendig und möglich - entfernt werden. Sushruta hat solche Behandlungen vor 3500 Jahren beschrieben. Man kann uns Ayurveda Ärzten also nicht nachsagen, wir seien gegen operative Eingriffe. Die Behandlung von Tumoren mit ayurvedischen Massnahmen bietet in allen Fällen klinische erprobte Möglichkeiten und sollten deshalb von allen involvierten Instanzen im Gesundheitswesen gefördert werden.

 

Hans H. Ryhner, Ayurveda-Arzt und Philosoph

Praxis für Ayurveda Medizin

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9053 Teufen Sternen

Tel. +41 (0)71 346 42 42

info@ayurveda-rhyner.com

www.ayurveda-rhyner.com



[1] (A) International Journal of Green Pharmacy, 2009, Vol. 3, Issue 1, Page 2-5: Ethnomedicinal plants for prevention and treatment of tumors;

(B) genglob magazine, 2009 October 11th, cancer therapy in ayurveda;

(C) Journal of the Society of Integrative Oncology JSI_2006_0293d: Ayurvedic Concepts of Health and their role in inflammation and caner;

(D) Cancer Chemotherapy and Pharmacology, Springer Verlag: Rasagenthi Lehyam an novel complementary and alternative medicine for prostate cancer (Anmerkung von HHR: enthält Semecarpus anarcadium)

 

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