Mai 2011 - Ayurveda Fachartikel von Dr. Hans H. Rhyner

Dr. Hans H. Rhyner (MD, Phil.)

Über Sexualhormone - Sicht der Ayurvedadiagnose

von Hans Heinrich Rhyner

 

In diesem Artikel will ich darlegen, wie synthetische Sexualhormone und synthetisch hergestellte chemische Verbindungen mit estrogenartiger Wirkung (Xenoestrogene) dazu beitragen, dass Shukra Dhatu, Shukra Vaha Shrota sowie Arthava Vaha Shrota zu Dushya mutieren. Die Folgen sind mannigfaltig und reichen von reduzierter Fruchtbarkeit, Oligospermie bis zu neurophysiologischen Erkrankungen. Zum Einsatz bieten sich die verschiedenen ayurvedischen physikalischen Therapien an mit ihrem erwiesenen positiven Effekt auf das hormonelle System. Zudem stehen uns eine reiche Palette von Phytohormonen mit ihrer regulierenden Wirkungsmechanismen zur Verfügung.

Historie

1961 konnten Frauen in Europa „die Pille“ offiziell erwerben. Dieses Ereignis wurde mit der französischen Revolution verglichen: Freiheit von der monatlichen Angst sowie in Gleichheit und Brüderlichkeit mit dem Mann über Fortpflanzung mitbestimmen.[i]

           

 Für meine Generation, die aktiv an der 68er Bewegung teilnahm, zwar in der weniger politisierenden dafür eher hedonistischen Flower Power Sektion, war die Pille ein Geschenk des Himmels. Wir wollten zwar die aus unserer Sicht marode Gesellschaft auf den Kopf stellen, besassen aber null Kritikfähigkeit, was die eventuellen Nebenwirkungen der Pille auf die psychosomatische Integrität der Frauen oder die Umwelt anging.

Die Hemmschwelle wurde wahrscheinlich durch unseren LSD und Cannabis Konsum auf Null gesetzt. Zurückblickend muss ich eingestehen, dass der Preis, den die Frauen und das Ökosystem dafür bereits bezahlen und wahrscheinlich noch weit in die Zukunft hinein zahlen werden, ein sehr hoher ist. Leider wurde schon bald ein weiterer lukrativer Markt für die Pille erschlossen – Frauen in der Menopause.

 

Selbst ernsthafte Froscher haben mächtig Mühe herauszufinden, wie viele Frauen die Pille nehmen, wie oft und wie lange. Das eigentlich Erstaunliche bei diesem Business ist der Fakt, dass keine Indikation im medizinischen Sinn besteht. Gesunde Frauen nehmen sie – um krank zu werden und uns alle krank zu machen: Ist das ausgleichende karmische Gerechtigkeit?

Die Wirkung von synthetischen Hormonen und Xenoestrogenen auf Mensch wie Umwelt und ihre Mutation zu Dushya, den sogenannten „Endocrine Disrupting Compounds“

Beginnen wir mit dem Effekt der synthetischen Hormone auf das Ökosystem, denn hier beisst sich die Schlange in den Schwanz. Die heutigen Kläranlagen sind nämlich nicht darauf ausgelegt, die Hormone, die Millionen von Frauen mit dem Urin ausscheiden, zu eliminieren. Sie gelangen daher in die Gewässer und von dort in die Nahrungskette und das Trinkwasser. Wir können davon ausgehen, dass wir täglich ungewollt synthetische Hormone zu uns nehmen. Nachgewiesen sind Effekte auf Wasserlebewesen, wie die Feminisierung von Fischen, einer Verlangsamung des Fortpflanzungsrhythmus sowie Veränderungen in Nieren und Leber.[ii] Wie immer ist die Forschung bei (Nutz)Tieren erheblich weiter als bei und Menschen.

 

Hier sammeln sich also bereits ätiologische Faktoren, die das männliche wie weibliche Fortpflanzungssystem (Shukra und Arthava Vaha Shrota) zu Schwachstellen (Dushya) mutieren lassen. Das Konzept der Pathogenese in der Ayurveda sieht ja vor, dass mehr oder weniger unabhängige davon, was zu einem Überschuss (Vriddhi) der drei elementaren Faktoren (Dosha) geführt hat, diese gestörten Faktoren – nachdem sie eine bestimmtes kritisches Limit (Prakopa) erreicht haben – im ganzen Körper zu zirkulieren beginnen, um dann bestehende Schwachstellen zu attackieren und sich schliesslich mit diesen verbinden und Symptome bilden (Dosha-Dushya-Sammurchana).

 

In meiner Zeit, wo ich in Juhu Beach (Mumbai) lebte, habe ich mir bei meinen Spaziergängen am Strand oftmals vorgestellt, wieviel Urin die damals 12 Millionen- und Heute 25 Millionen-Stadt wohl täglich produziert und dass dieser Strom zwangsläufig und ungefiltert ins Meer gelangen musste. So verhält es sich auch mit den synthetischen Hormonen. Sie sind überall – um uns und in uns.

 

Erwähnen muss ich der Vollständigkeit halber auch die Xenoestrogene, d.h. synthetisch hergestellte chemische Verbindungen mit estrogenartiger Wirkung auf das Hormonsystem, die von der Industrie in riesigen Mengen in unzählige Produkte eingearbeitet werden. Nicht umsonst nennt man sie endokrine Disruptoren (EDC – endocrine disrupting compounds). Sie werden im grossen Stil ausgerechnet in der Landwirtschaft eingesetzt, z.B. bei Herbiziden (Atrazine), Pestiziden (Endosulfat, DDT, Dieldrin). Sie mögen zum Teil schon verboten sein, befinden sich aber immer noch in der Umwelt.

 

In Indien herrscht nach einigen „tragischen Vorfällen“ eine grosse Kontroverse betreffend des Einsatzes von Endosulfat. Der Gesundheitsminister konnte sich bis dato nicht zu einem Verbot durchringen. Löblich zu erwähnen ist, dass der Bundesstaat Kerala den Einsatz von Endosulfat verboten hat. Die Behörden denken sogar darüber nach den Import von Gemüse aus dem benachbarten Tamil Nadu, wo Endosulfat nicht verboten ist, zu untersagen.

           

Leider hat die Geschichte hier noch kein Ende, denn EDC finden wir auch in Möbeln, Farben, Sonnenschutzcremen, in Hautcremen, im Plastikgefässen oder Hüllen für Nahrungsmittel (Mineralwasser), ja sogar als Nahrungskonservierungsmitteln.[iii]

Hormone und ihr Effekt auf die Stimmung (Rajas und Tamas) und Dosha

Östrogene stimulieren die Produktion von Seratonin und Endorphin und können so die Stimmung heben oder euphorische Gefühle wecken. Zudem produzieren sie den „Gedächtnis-Neurotransmitter“ Acetylcholine. In der Prämenopause beginnt der Östrogen-Spiegel zu fluktuieren und damit auch die Stimmung der betroffenen Frauen. Forschungen zeigen weiter den Zusammenhang von Panikattacken und reduziertem Östrogenspiegel an. Diese Schwankung findet monatlich besonders im PMS Bereich mit entsprechender Symptomatik statt.

 

Im Gehirn konnten eine bis zu 20 mal höhere Konzentration von Progesteron, dem Gegenspieler von Östrogen als im Blut festgestellt werden.

 

Symptome für einen niedrigen Östrogenspiegel sind:

  • ·      eine Gefühl wie benebelt zu sein
  • ·      Hitzewallungen
  • ·      Depression
  • ·      Gedächtnisschwäche
  • ·      Kopfschmerzen
  • ·      trockene Schleimhäute
  • ·      unregelmässige Perioden
  • ·      Harninkontinenz
  • ·      Schlafstörungen
  • ·      Reduktion der Knochendichte

 

Symptome für einen zu hohen Östrogenspiegel sind:

  • ·      starke Blutungen
  • ·      empfindliche Brüste
  • ·      Zunahme von PMS Symptomen
  • ·      fibrozystische Mastopathie
  • ·      Ovarzysten
  • ·      Bauchfett
  • ·      Irritierbarkeit
  • ·      Wasseransammlungen
  • ·      erhöhte Triglyzeride

 

Aus ayurvedischer Sicht zeigt sich hier deutlich, dass bei einem erhöhten Östrogenspiegel vor allem Pitta und sekundär Kapha sowie Rajas Symptome zunehmen, während bei einem reduzierten Östrogenspiegel Vata und Tamas Symptome überhand nehmen. Einerseits hat das Konsequenzen, was die Ätiologie und Diagnostik anbetrifft. Andererseits sollten bei jeder Therapie die verursachenden Faktoren möglichst ausgeschaltet werden.

Therapiemöglichkeiten

Physikalischen ayurvedischen Behandlungen wie Abhyanga oder Seka werden von den Klassikern stark aphrodisierende und psychisch aufhellende Wirkungsmechanismen zugeschrieben und Arthava wie Shukra Vaha Shrota werden immunisiert. Falls das nicht reicht, dann kommen Vajikarna Therapien im Rahmen einer Pancakarma Behandlung zum Einsatz.

 

Selbst renommierte deutsche und österreichische gynäkologische Endokrinologen plädieren Heute für einen restriktiven Einsatz von synthetischen Hormonen und erklären: „Den Phytohormonen gehört die Zukunft“.[iv] Und das obwohl sie noch nie von der Schatzkiste der wunderbaren ayurvedischen Heilmittel gehört haben. Bei Gesprächen mit den Hormon-Gurus von Wien bin ich deshalb auf offene und sehr grosse Ohren gestossen. Den reichen Erfahrungsschatz meiner 30-jährigen Praxis bin ich gerne bereit mit allen zu teilen.

 

Hari Om Tat Sat

Kontaktadresse des Autors

Dr. Hans H. Rhyner, MD - über das Kontaktformular auf der Website



[i] Böhme, Staupe, Vieth in „Die Pille, von der Lust und von der Liebe, Berlin 1996

[ii] Karen Kidd: Effects of a Synthetic Estrogen on Aquatic Populations: a Whole Ecosystem Study. Freshwater Institute, Fisheries and Oceans Canada, Oktober 2004

[iii] Go Beyond Organic – Feminizing of America, Weekly News on www.gobeyondorganic.com

[iv] www.pb-hw.de „Was ist dran an Phytohormon-Therapien?“

 

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